Geschichte

Die Schwarzenbergsche Brauerei in Protivín war einst die größte Brauerei der Region Prácheňsko. Das genaue Entstehungsjahr konnte mangels schriftlicher Dokumente nicht ermittelt werden, es ist jedoch sicher, dass die Brauerei bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts existierte.

Aus den im Schwarzenbergschen Archiv aufbewahrten Schriften geht hervor, dass Johann von Perstein am 29. November 1540 Ondřej Ungnad von Sunek und seiner Frau Bohunka das Gut von Protivín mit allem Zubehör und Kneipen vom Herrengut Hluboká bis zu der Brauerei von Protivín schenkte.

Im Jahre 1551 überließ Ondřej Ungnad das Gut von Protivín zusammen mit der Festung, der Brauerei, den Unterauen und dem Städtchen Protivín seiner zweiten Frau Anna und anschließend tauschten die Eheleute beim Verkauf des Herrenguts 1554 an Wilhelm von Rosenberg einige Kneipen in der Region Hluboká, damit diese weiterhin ausschließlich das Bier aus der Brauerei von Protivín beziehen. 1562 werden wiederum die Brauerei an der Festung Protivín und der herrschaftliche Hopfengarten bei Protivín erwähnt.

Im Jahr 1711 ging die Brauerei in den Besitz der Fürstenfamilie Schwarzenberg über. Später, 1982, wurde die einstige Zuckerfabrik von Protivín zu einer großen Mälzerei umgebaut, die gleich in den ersten Jahren ihres Betriebs jährlich über 250 000 Zentner Malz produzierte. Sie hatte als erste das Nathanverfahren mit der Verwendung des Kohlendioxids aus der Hauptgärung angewendet. Die Brauerei zählte somit nicht nur wegen der Bierqualität, sondern auch wegen den innovativen Technologien zu den besten Einrichtungen ihrer Art.

Ihre größte Blütezeit erlebte die Brauerei Protivín an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Im Jahr 1896 wurden in Protivín 125 000 Hektoliter Bier hergestellt, 1899 waren es bereits 140 000 und 1902 147 745 Hektoliter Bier. Das Bier aus Protivín wurde damals nicht nur in die ganze Österreichisch-Ungarische Monarchie, sondern auch nach Übersee exportiert. Damals hatte die Brauerei eigene Lager zum Beispiel in Prag, Pilsen, Wien, Terst, Zagreb, Berlin oder New York. Die goldene Ära ging mit dem ersten Weltkrieg zu Ende, als die Brauerei ihre ausländischen Abnehmer verlor.

Im Jahr 1948 wurde das Unternehmen verstaatlicht. Zwischen 1950 und 1952 wurde die Brauerei in das Staatsunternehmen Jihočeské pivovary (Südböhmische Brauereien) mit Sitz in České Budějovice (Budweis) eingegliedert. In den Jahren 1953-1955 änderte die Brauerei von Protivín ihren Besitzer und wurde zum Hauptbetrieb des Unternehmens Pošumavské pivovary (Böhmerwald-Brauereien). Drei Jahre später wird sie an das Staatsunternehmen Jihočeské pivovary (Südböhmische Braureien) zurückgegeben und bleibt bis zur Wende unter seiner Leitung.

Im Juni 2000 verkaufte das Unternehmen Jihočeské pivovary (Südböhmische Brauereien) den Betrieb Protivín an die Stadt Protivín, die somit zum 100-prozentigen Inhaber der Brauerei wurde. Dadurch wurde die Brauerei gerettet, denn das Unternehmen Jihočeské pivovary wollte den Betrieb einschränken und mit der Zeit schließen. Nach der Rettung verkaufte die Stadt die Brauerei noch Ende 2000 an eine Unternehmergruppe aus Liberec (Reichenberg).

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